#22 NASCA, CHALA

JUNI 2022

Tapetenwechsel. Gestern waren wir noch auf dem Hochplateau im Nationalpark Pampa Galeras unterwegs und haben dort hunderte wilde Vicuñas beobachtet. Die Nacht auf über 4000 Meter war es wieder eisig kalt, das Kondenswasser von der Wärmflasche die wir am Abend noch gekocht haben, hat sich heute Morgen in gefrorenes Eis an der INNENWAND vom Bus umgewandelt. Der Mutigere von uns zwei wagt es aufzustehen und den wärmenden Schutz der Decke zu verlassen. Somit muss der zweite auch folgen und wir machen uns auf den Weg bergab. Das Ziel ist Nasca, mit den berühmt berüchtigten Nasca-Lines. Wir sind überwältigt, innerhalb von zwei Stunden sind wir von 4000 auf fast null Meter gesunken. Nun haben wir die Anden im Rücken und die Atacama-Wüste vor uns. Die Landschaft hat sich komplett geändert. Auch die geheimnisvollen Linien von Nasca sind ein ungewöhnlicher Anblick, der uns in Staunen versetzt. Auf das Anraten anderer Reisenden haben wir uns entschieden die Geoglyphen von einem kleinen Sportflieger aus zu betrachten. Wir fahren an den kleinen Flughafen und warten bis sich der morgendliche Dunst ein wenig gelichtet hat. Ein wenig Nervosität macht sich in mir breit, wir haben beide keine Höhen- oder Flugangst aber ich habe die Befürchtung das mir schlecht wird. Auch bei einem Airbus habe ich dieses Problem, daher graut es mir schon vom Wackeln in diesem kleinen Flieger. Da ich die Mutige war die sich gestern Morgen in die Kälte getraut hat, schmeiße ich mich auch heute in dieses Wagnis. Ich werfe mir noch mein Übelkeits-Allheilmittel-Vertirosan ein. Aber als der Pilot den Flieger zum ersten Mal auf die Seite neigt, damit wir die Formen am Boden besser betrachten können, bereue ich schon jetzt überhaupt eingestiegen zu sein. Trotz der zahlreichen Luftlöcher betrachten wir voller Erstaunen die Pflanzen- und Tierzeichnungen sowie hunderte von Linien und anderen geometrischen Formen. Diese riesigen Bilder auf dem Wüstenboden waren relativ unentdeckt, bis Flugzeuge die in den 1920er Jahren über das Gebiet flogen, die Linien und Muster entblickten. Die gewaltige Straße Panamericana führt mitten durch die Nasca-Linien, damals wusste man noch nicht das sich diese hier befinden, leider wurden manche Bilder durch den Bau beschädigt. Wir kreisen noch ein wenig umher, neigen uns nach links und nach rechts, bis der Pilot meint wir fliegen wieder zurück nach zum Flughafen. Erleichterung macht sich breit. Der Flug war schön aber auch wunderschön als er vorbei war. Sogar Flo ist ein wenig blass als er aussteigt. Ohne Erkenntnis wer die Linien erstellt hat und wozu sie dienten verlassen wir diesen Ort. Es gibt etliche Theorien von Fruchtbarkeitssymbolen, Zeremonienplätze, Sonnenwendpunkten, bis hin zu Weltraumbahnhöfen von Aliens.

Jetzt geht es der Küste entlang weiter, wir schlafen noch in dem Ort Chala. Direkt am Meer, es ist nichts los. Das ist wahrscheinlich der Jahreszeit geschuldet, es ist viel zu kalt um zu baden. Wir genießen es aber endlich wiedermal den Wellen zu lauschen und in der Bucht auf und ab zu spazieren. Erstaunlicherweise befinden sich links und rechts auf den Hügel vom Strand noch Inka-Überbleibsel. Leider in grauenhaftem Zustand, diese archäologische Stätte scheint vergessen zu sein. Im Internet finde ich dann aber doch noch Informationen über diesen besonderen Ort. Quebrada De La Vaca war der Hafen von der Inkahauptstadt Cusco. Von hier aus ist die Elite der Inkas mit Fisch und Meeresprodukten versorgt worden. Auch als Urlaubsort der Herrscher soll dieser Ort gedient haben. Wir finden zahlreiche Überreste von Steinhäusern, Löcher zur Aufbewahrung von Lebensmittel, etliche Muscheln und Krebs-Reste und auch Grabstätten. Wir sind komplett überrascht das diese Gräber frei liegen, Flo meint noch, diese Knochen sehen sogar aus wie menschliche Überreste. Als wir näher hinschauen finden wir Gebisse mit Zähnen und Schädelknochen. Jetzt ist klar, es sind menschliche Knochen. Schon ein wenig gruselig und vor allem schade, dass dieser Ort nicht besser bewacht wird. Ich bin mir sicher das hier viel verändert und gestohlen wurden. Leider ist auch alles ziemlich zugemüllt. Was würden die Inkas dazu sagen? Die arme Frau oder der arme Mann hat sich seine Ruhestätte bestimmt nicht so vorgestellt.

Aber jetzt geht es weiter für uns Richtung Pozuzo. Zum ersten Mal fahren wir auf der Panamericana. Herrlich nach den ganzen Pässen und Kurven mal gerade aus zu fahren und problemlos alle LKW´s zu überholen. Leider verhält sich die örtliche Polizei nicht so problemlos wie gewohnt. Bei JEDER Kontrolle werden wir rausgezogen. Sie sehen unser ausländisches Kennzeichen und schon glänzen die Dollarzeichen in ihren Augen. Ziemlich mühsam, sie wollen uns dauernd wegen sinnlosen Vergehen bestrafen. Suchen Fehlverhalten, unterstellen uns Verstöße die wir überhaupt nicht begangen haben. Unser Allzweckmittel uns „dumm“ zu stellen klappt in 90% der Fälle. Wir tun so als würden wir gar nichts verstehen. Was das Wort „Multa“ auf Spanisch heißt? Keine Ahnung? Meist wird es ihnen dann zu umständlich und sie lassen uns weiterfahren. Aber es gibt auch gewitzte Beamte, die ihr Handy zur Übersetzung herbeiholen. Wir sollen die hohe Strafe in Lima oder an der Landesgrenze bezahlen, aber der angeblich nette Polizist bietet uns auch an unkompliziert gleich vor Ort zu zahlen. Ich bin ziemlich genervt von der ganzen Korruption aber Flo amüsiert sich köstlich neben mir. Oft bestehe ich darauf den offiziellen Weg zu gehen, da ich schon weiß, dass das zu nichts führen wird.  Ohnehin haben wir nichts verbrochen, und die angebliche Strafe ist offiziell sicher auch nicht so teuer wie er uns glauben lassen möchte. Durch angeblich hohe Strafgebühren, kann er sein Korruptionsgeld in die Höhe treiben, man denkt dann günstig davongekommen zu sein. Noch dazu sind sie zu faul den Papierkram zu erledigen und lassen uns auch weiterfahren. Ziemlich anstrengend, wenn der Polizist meint ich sei nicht korrekt angeschnallt, da sich der Sicherheitsgurt unter meinem Arm befindet. Aber direkt hinter uns ist ein LKW mit mindestens zehn Menschen auf der Ladefläche ist und dieser problemlos vorbeifahren darf. Oder wir angeblich das Licht nicht eingeschaltet hätten und andere Fahrzeuge nicht mal Lichter eingebaut haben. Da sind einfach zwei Löcher vorne am Fahrzeug aber wir gefährden anscheinend den ganzen Verkehr. Aber auch das bringen wir hinter uns.

Nach den Tagen in dieser (für uns) trostlosen, relativ unsicheren Wüsten-Gegend freuen wir uns jetzt noch auf ein letztes Mal Urwald, bevor wir uns endgültig den Anden hingeben.

 

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