#14 PANTANAL, POCONÉ, PORTO JOFRE

MAI 2022

Das Pantanal ist euch vielleicht aus Natur-Dokus bekannt. Da es auf unserer Route liegt wollen wir die Möglichkeit nicht verpassen direkt ins Herz dieses Sumpfgebietes zu fahren. Das Pantanal ist ein großes Überschwemmungsgebiet das sich bis nach Bolivien und Paraguay zieht. In der Regenzeit von November bis März sind weite Teile dieser Tiefebene überschwemmt. Das Gebiet hat eine unglaubliche Vielfalt an Pflanzen, Tieren und vor allem Vögeln. Zwischen Regen- und Trockenzeit entsteht ein System an vielfältigen Lebensräumen. Zur Krönung ist das Gebiet fast unberührt von Menschen. Es gibt nur eine Straße die „Transpantaneira“ diese führt nach Porto Jofre. Dieser Ort besteht aus einem Hotel und ein paar Bootsanlegeplätzen. Es gibt kein Supermarkt, keine Bank, keine Infrastruktur. Seit wenigen Jahren wurde entlang der 147 Kilometer langen Transpantaneira Strom verlegt, daher nutzen nun Farmer entlang der Straße und die wenigen Bewohner des Ortes den Luxus Elektrizität.

Die Transpantaneira hätte eigentlich einen eigenen Bericht verdient. Wir sind mit nicht allzu großen Erwartungen in das Gebiet gefahren. Aber wir sind auf der Anfahrt schon auf Wolke Sieben. Auf den ersten Kilometer sehen wir schon eine Vielzahl an exotischen Vögeln, Kaimane, Aßgeier, Schildkröten, Cabybaras, Echsen, Wasserbüffel und Kühe die denken sie wären Wasserbüffel (daher bis zum Hals im Wasser stehen). Wir vergessen fast auf die Straße zu sehen, da wir die ganze Zeit aus den Seitenfenstern starren. Die Straße ist sehr abenteuerlich, für die 147 Kilometer mitten durchs Nichts brauchen wir knapp 5 Stunden. Das langsame Vorankommen hat aber den Vorteil das wir in aller Ruhe die Natur beobachten können. Über 130 Brücken führen über das überschwemmte Gebiet, Brücken die dringend mal von der Asfinag saniert werden müssten. Verheerende Waldbrände haben vor zwei Jahren fast 30% von diesem Gebiet zerstört. Die Natur wird noch Jahrzehnte brauchen um sich zu erholen. Aber in den Augen von den Brasilianern ist es nicht notwendig die schwarz angekokelten Brücken zu erneuert. Wird schon halten… Tudo Tranquilo.  Wenn ihr unten die Fotos anschaut könnt ihr meine Angst vielleicht verstehen mitsamt dem Bus schwimmen zu gehen. Dieses Bangen und Luftanhalten hat sich über 100-mal wiederholt, unsere Nerven sind also erprobt. Ohne Flo wäre ich schon bei der ersten Brücke umgekehrt und hätte dieses Erlebnis verpasst. Zu diesem Zeitpunkt haben wir noch nicht geahnt das dieser Ausflug noch zu toppen ist.

Angekommen in Porto Jofre ist der Hotel-Besitzer so nett und lässt uns mit dem Bus auf seinem Grundstück übernachten, stellt uns sogar Strom und Dusche zur Verfügung. Da es hier NICHTS gibt ist die einzige Möglichkeit sich den Tag zu vertreiben eine Bootstour zu machen. Wir informieren uns und starten bereits am nächsten Tag früh morgens unsere Tour. Ein Bayer und eine Ukrainerin begleiten uns. Uns wird versichert eine Vielfalt an Tieren und Pflanzen zu sehen. Mit ein wenig Glück könnten wir sogar wild lebende Jaguare beobachten. Das klingt für mich eher wie ein Touristenmagnet, auf allen Booten steht Jaguar-Tour. Ich kann es nicht glauben das wir ernsthaft Jaguare sehen werden, daher stelle ich keine großen Erwartungen. Wir starten auf dem Rio Paraguay und biegen immer wieder in Nebenflüsse ab bis diese so schmal und eng werden, dass wir den Motor ständig von Wasserpflanzen befreien müssen. Wir fahren gemütlich über das ruhige Gewässer hinweg und sehen hier wieder unzählige Vögel, Kaimane, Wasserschlangen, Fischotter und Wasserschweine. Unser Guide hat schon jahrelange Erfahrung und auf meine Frage ob wir wirklich Jaguare sehen werden nickt er mir voller Überzeugung zu und sagt, so Gott will JA! Wir vertrauen ihm und die erste Stunde vergeht bis er plötzlich aufsteht und uns leise auf das Flussufer hinweist. Ich war natürlich wieder die letzte die entdeckt das hier zwei junge Jaguare auf einem toten Baum posieren. Ich kann es nicht glauben, solch ein Bild sehe ich normal nur in den Postern der Apotheken-Kinder-Zeitung. Aber es ist Wirklichkeit. Wir sind alle gefesselt von dem Glück solche Tiere in freier Wildbahn beobachten zu dürfen. Der Guide entdeckt noch die Mutter der beiden Geschwister. Wir harren ruhig aus und können vom Boot aus beobachten wie sich die Jungtiere zur Mutter legen, diese die Kleinen liebevoll putzt und sie sich niederlegen. Die haben sich von uns überhaupt beeindrucken lassen, wir haben natürlich versucht sie so wenig wie möglich zu stören. Mit dieser rosaroten Brille fahren wir noch bis abends auf den Flüssen auf und ab. Unser Guide protzt nur so mit Informationen und Geschichten rund ums Pantanal. Wir sind überwältigt von der Natur, von den Tieren, von den Pflanzen.

Diese Tage sind für uns unvergesslich.


Pantanal


Transpantaneira

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